Historisches Wohnhaus in Mumpé Medel bei Disentis energetisch saniert und modernisiert
Direkt am historischen Römerweg und einst am alten Passweg zum Lukmanier gelegen, steht in Mumpé Medel bei Disentis ein Wohnhaus aus dem späten 17. Jahrhundert. Der rätoromanische Ortsname «Mumpé» bedeutet sinngemäss «kleiner Berg» oder «Anhöhe» und beschreibt die erhöhte Lage des Dorfes treffend. Ziel der Sanierung war es, die dauerhafte Bewohnbarkeit sicherzustellen und gleichzeitig den Charakter des geschichtsträchtigen Gebäudes zu bewahren.
Aussenfassade und bestehende Raumstruktur nahezu unverändert
Eine besondere Bedeutung kommt dem historischen Keller zu, der älter ist als das Wohnhaus selbst. Dank seines ganzjährig ausgeglichenen Klimas diente er über Jahrhunderte als Lagerraum für Lebensmittel und blieb vollständig erhalten. Auch die bestehende Raumstruktur wurde respektiert und nahezu unverändert belassen – lediglich eine zusätzliche Nasszelle wurde in den bestehenden Schopf integriert. Die Aussenfassade blieb ebenfalls weitgehend unangetastet und wurde lediglich durch zwei zusätzliche Fenster ergänzt.
Traditionelles Handwerk, regionales Holz und gelebte Kreislaufwirtschaft
Die grösste Herausforderung stellte die energetische Sanierung dar. Da das Gebäude nur teilweise unterkellert ist, verlangte insbesondere die Dämmung der Böden nach individuellen Lösungen. Die bestehenden Strickwände wurden von innen sorgfältig gedämmt und anschliessend mit traditionellen Holzverkleidungen ergänzt. Im Wohnzimmer konnten die bestehenden Wandverkleidungen demontiert, nach der Dämmung angepasst und wieder eingebaut werden.
Im Esszimmer war das historische Täfer nicht mehr zu retten. Nach dem Vorbild des Originals entstand deshalb ein neuer gestemmter Täfer aus Fichte, abgestimmt auf die neue Raumeinteilung mit Eckbank. Ein zweiter Schiefertisch, dem vorhandenen Modell nachempfunden, erweitert den Raum um zusätzliche Tischfläche. Die bestehenden Decken blieben erhalten, wurden statisch verstärkt und von oben mit Lärchenriemen aus dem Albulatal ergänzt.
Besonders nachhaltig zeigt sich der Umgang mit den alten Holzböden: Diese wurden ausgebaut, in der Werkstatt in Trogen zu neuem Täfer verarbeitet und als Ergänzung bestehender Wandverkleidungen wieder eingesetzt.
Natürliche Zimmer mit viel Holz und erhaltenen Bauelementen
In den Zimmern des Obergeschosses schaffen neue Arventäfer aus heimischem Holz an den Aussenwänden eine warme und natürliche Wohnatmosphäre. Sämtliche Wände wurden bis unter das Dach hochgezogen, wodurch grosszügige Räume mit einer eindrücklichen Raumhöhe entstanden. Die rundum mit Holz verkleideten Flächen verleihen den Zimmern eine behagliche Atmosphäre, während die charakteristischen, niedrigen Türen erhalten blieben und weiterhin von der Geschichte des Hauses erzählen.
Im gesamten Haus wurden die Fenster durch neue Holzfenster mit Holzsprossen ersetzt. Dabei konnten die originalen Fensterbeschläge der Vorgängerfenster wiederverwendet werden. Der bestehende Specksteinofen aus dem Jahr 2007 blieb als prägendes Element des Wohnraums erhalten. Ebenso wurde der traditionelle TIBA-Herd sorgfältig in die neue Küche integriert.
Küche und Materialien mit Bezug zur Berglandschaft
Das Herzstück der Küche bildet eine freistehende Insel aus Valser Naturstein. Wie ein Findling liegt sie im Raum und verankert die Küche mit ihrer kraftvollen Materialität in der umliegenden Berglandschaft. Auch die Böden und Wandverkleidungen der Nasszellen sowie weitere Steinarbeiten wurden mit grünlich schimmerndem Naturstein aus dem Valser Steinbruch Garlag ausgeführt.
Alles aus einer Hand
Bei diesem Umbau durften wir sämtliche Arbeiten aus einer Hand realisieren: von der Planung und Bauleitung über die Zimmermanns- und Schreinerarbeiten bis hin zum Küchenbau. Ergänzend dazu übernahmen wir die Koordination aller beteiligten Fachplaner und Handwerker und begleiteten das Projekt von der ersten Idee bis zur Fertigstellung.
Unsere Leistung umfasst:
Gestaltung
Entwicklung
Baubegleitung
Ausführung
Arbeit: Energetische Sanierung, Altbausanierung
Besonderheit: Erhalt des historischen Charakters des Hauses bei gleichzeitiger Verbindung von Alt und Neu
Material: Holzriemenböden und Einbauten in Lärche, Holztäfer in Fichte und Arvenholz, Valser Naturstein
Fotografie: WERT Grafikbüro